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Veröffentlicht 27.03.2025

Infrastruktur & Projekte

Zwei Projekte, ein Ziel: Eine sichere, attraktive Bahnverbindung zwischen Münster und Warendorf

Unbeschrankte Bahnübergänge sind ein potenzielles Sicherheitsrisiko: Wo Straßen und Schienen sich ohne technische Sicherung kreuzen, kann es zu schweren Unfällen kommen. Insgesamt 153 Unfälle an Bahnübergängen ereigneten sich laut Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung im Jahr 2024. Dabei verloren 25 Menschen ihr Leben. Auch wenn unbeschrankte Bahnübergänge unter besonderen betrieblichen Auflagen zulässig sind, gibt es dennoch seit Jahren das Ziel, sie technisch zu sichern oder ganz zurückzubauen.

Die Verantwortung dafür liegt beim jeweiligen der Schieneninfrastruktur – dies ist in der Regel die Deutsche Bahn und ihr Eisenbahninfrastruktur-Unternehmen DB InfraGO (ehemals: DB Netz). In den vergangenen Jahrzehnten hat die DB die Zahl der Bahnübergänge bundesweit von 28.000 auf rund 15.800 reduziert (Stand: 2023).


DB-Projekt: Unbeschrankte Bahnübergänge sichern

Auch auf der RB 67, dem sogenannten „Warendorfer“, ist der Rückbau ein Thema: Die Strecke zählt zu den unfallträchtigsten in ganz Deutschland. Rund dreißig unbeschrankte Bahnübergänge gibt es auf dreißig Kilometern Länge zwischen Münster und Warendorf. Jeder einzelne ist ein Sicherheitsrisiko – für alle, die dort mit dem Auto, dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs sind.  

Wo keine technische Sicherung vorhanden ist, gelten deshalb strenge Vorsichtsmaßnahmen: Die Züge dürfen nur sehr langsam fahren und müssen bei jeder Fahrt bis zu 90 Mal pfeifen – eine Belastung für den Betriebsablauf, den Fahrkomfort und nicht zuletzt eine Lärmbelastung für Anwohner, Fahrgäste und Triebfahrzeugführer, die sich erst mit dem Umbau der Übergänge beheben lässt.  

Seit Jahren beschäftigt sich die Deutsche Bahn damit, die Übergänge technisch zu sichern – mit Schranken, Lichtzeichen oder Ersatzlösungen wie Brücken oder Unterführungen. Umso überraschender kam nun die Ankündigung der Deutschen Bahn, dass die Umsetzung für die Warendorfer Strecke auf frühestens 2031 verschoben werden soll. Als Begründung nennt die Deutsche Bahn fehlende Mittel und die bundesweite Priorisierung dringend notwendiger Generalsanierungen.
 

NWL-Projekt: Besserer Takt durch höhere Geschwindigkeit

Auch der NWL hat Pläne für die Strecke zwischen Münster und Warendorf: Die RB 67 soll mit einem 30-Minuten-Takt für mehr Fahrgäste attraktiver werden. Diese Maßnahme ist Teil des Projekts „S-Bahn Münsterland“, mit dem der Schienenpersonennahverkehr in der Region verbessert wird. Die Linie RB 67 wird dabei perspektivisch zur neuen S7.  

Allerdings ist der Großteil der Strecke zwischen Münster und Warendorf eingleisig. Damit Züge trotzdem gleichzeitig in beide Richtungen fahren können, gibt es einige Ausweichstellen – kurze Abschnitte mit zwei Gleisen, an denen sich Züge „begegnen“ können. Damit das funktioniert, müssen beide Züge zur richtigen Zeit an genau dieser Stelle sein. Bisher ist die Fahrzeit jedoch zu lang, um das im geplanten 30-Minuten-Takt zuverlässig zu schaffen.  

Der Bau zusätzlicher Ausweichstellen wäre teuer, langwierig und genehmigungsintensiv. Eine einfachere Lösung liegt deutlich näher: Die Züge müssen schneller fahren dürfen, damit sie sich zur richtigen Zeit an den bestehenden Ausweichstellen begegnen können.
 

Projekte bündeln – Synergien nutzen

Auch wenn die Sicherung der Bahnübergänge und die Verbesserung des Takts zwei getrennte Projekte mit unterschiedlichen Zuständigkeiten sind, hängen sie technisch eng zusammen: Ohne gesicherte Bahnübergänge kann die Geschwindigkeit auf der Strecke nicht erhöht werden. Und ohne höhere Geschwindigkeit ist ein verlässlicher 30-Minuten-Takt auf der eingleisigen Strecke nicht machbar.

Der NWL hat deshalb vorgeschlagen, was auf der Hand liegt: Synergien zu nutzen und beide Vorhaben aufeinander abgestimmt umzusetzen. Ein gemeinsamer Zeitplan, abgestimmte Maßnahmen, weniger Bauphasen. Das hätte Vorteile für Planung, Genehmigung – und vor allem für die Fahrgäste in der Region. Die nun angekündigte Verschiebung des DB-Projekts verzögert auch das Vorhaben des NWL. Erst wenn die unbeschrankten Bahnübergänge gesichert sind, kann das Projekt zur Fahrzeitverkürzung technisch weiterverfolgt werden.  

Im Gegensatz zu dem lang geplanten DB-Projekt befindet sich der NWL mit seinem Projekt zur Taktverdichtung aktuell noch in einer frühen Planungsphase. Aber: Vorbereitende Untersuchungen wurden bereits bewilligt und finanziert und auch für die weiteren Planungen stehen bereits finanzielle Mittel zur Verfügung. Das Vorhaben der DB zur Sicherung der Bahnübergänge ist zwar deutlich älter – allerdings gibt es derzeit keinen verbindlichen Zeitplan für die Umsetzung. Umso wichtiger ist es, dass der NWL sein eigenes Projekt nun zügig weiterentwickelt: Indem die Planungen frühzeitig voranschreiten, lassen sich Synergien sinnvoll nutzen und die technischen Voraussetzungen rechtzeitig schaffen, um nahtlos an das DB-Projekt anzuschließen. Im nächsten Schritt will der NWL daher eine Planungsvereinbarung mit der zuständigen DB-Tochter DB InfraGO schließen. Sie soll als Grundlage dienen, um beide Projekte aufeinander abzustimmen und koordiniert umzusetzen.


Fahrplan für das weitere Vorgehen

Der NWL wird den Austausch mit der Deutschen Bahn und den zuständigen Stellen auf Landes- und Bundesebene fortsetzen. Als zuständiger für den SPNV will er mit den Verantwortlichen klären, ob und wie beide Projekte sinnvoll verzahnt und schneller realisiert werden können – und ob es doch noch Möglichkeiten gibt, eine frühere Umsetzung zu erreichen. Denn das Ziel bleibt, die Strecke zwischen Münster und Warendorf gleichzeitig sicherer und leistungsfähiger zu machen.