SUMPs: Mobilität kennt keine Stadtgrenzen
Information für Presse und Medien (Stand: 30.09.2026)
Mit dem Fahrrad zum Bahnhof, mit der Bahn in die nächste Stadt, mit dem Bus weiter zur Arbeit: Viele Menschen nutzen im Alltag mehrere Verkehrsmittel. Damit ihre Wege reibungslos funktionieren, müssen Bus, Bahn, Fahrrad und weitere Mobilitätsangebote gut aufeinander abgestimmt sein. Genau hier setzen Sustainable Urban Mobility Plans (SUMPs) an – auf Deutsch: Pläne für nachhaltige urbane Mobilität. Eine Stadt oder ein Kreis legt darin fest, wie sich die Mobilität vor Ort langfristig entwickeln soll – über Verkehrsmittel und kommunale Grenzen hinweg.
„Mobilität kennt keine Stadtgrenzen“, erklärt Sybille Ellermann, zuständig für die strategische Stadt- und Mobilitätsplanung beim Zukunftsnetz Mobilität NRW (ZNM). „Deshalb müssen Reiseketten über Stadt- und Kreisgrenzen hinweg gedacht und geschaffen werden. Nicht aus Sicht einzelner Verkehrsträger, sondern aus Sicht der Menschen und ihrer täglichen Wege.“
Als Kommunalberaterin unterstützt Ellermann die Mitgliedskommunen des ZNM in Westfalen-Lippe bei der Entwicklung nachhaltiger Mobilitätskonzepte und begleitet sie von der ersten Idee bis zur Umsetzung. Ein Sustainable Urban Mobility Plan (SUMP) bildet dafür den strategischen Rahmen. Er verbindet Fuß-, Rad-, Bus-, Bahn- oder Autoverkehr sowie weitere Angebote wie Carsharing oder On-Demand-Verkehre zu einem integrierten Gesamtsystem. Ziel ist eine Mobilität, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert und den Wechsel zwischen den Verkehrsmitteln im Sinne einer durchgängigen Reisekette erleichtert.
Mobilitätsplanung für die gesamte Region
Zusätzliche Relevanz erhalten SUMPs durch europäische Vorgaben. Städte, die als sogenannte Urban Nodes im transeuropäischen Verkehrsnetz (TEN-V) ausgewiesen sind, müssen bis Ende 2027 einen Plan für nachhaltige urbane Mobilität erstellen und politisch beschließen. Im NWL-Gebiet betrifft das die Städte Bielefeld, Gütersloh, Hamm, Münster, Paderborn und Siegen. Wie weit die Städte dabei sind, ist unterschiedlich.
Das Land NRW hat die EU-Vorgabe im ÖPNV-Gesetz verankert. In den als Urban Nodes ausgewiesenen Städten soll der Nahverkehrsplan künftig Teil des SUMP sein. So wird die Planung von Bus und Nahverkehr stärker in die übergreifende Mobilitätsplanung eingebunden.
Münster hat mit dem 2024 beschlossenen Masterplan Mobilität Münster 2035+ bereits einen strategischen Rahmen für die künftige Mobilitätsplanung geschaffen. Für Kommunen, die nicht als Urban Node gelten, bleibt die Erstellung freiwillig. Bund und EU empfehlen aber auch ihnen diesen Planungsansatz und unterstützen ihn über verschiedene Förderprogramme.
Gerade im Münsterland zeigt sich, warum dieser Ansatz wichtig ist: Kleinere und größere Städte, ländliche Räume und enge Pendlerverflechtungen prägen die Region. Viele Wege führen über Gemeinde- und Kreisgrenzen hinweg. SUMPs betrachten deshalb den gesamten funktionalen Mobilitätsraum und beziehen Stadt und Land gemeinsam ein.
Vernetzte Mobilität in der Praxis: S-Bahn Münsterland
Geplant wird sie von zwei Seiten: Die Stadt beschließt den Mobilitätsplan, der NWL plant als den SPNV. Beide müssen also zusammenarbeiten, damit die Anschlüsse zwischen den Verkehrträgern passen. Ziel ist es, Schiene, Bus, Fahrrad und weitere Mobilitätsangebote besser miteinander zu verzahnen.
Wie eine solche integrierte Mobilitätsplanung konkret aussehen kann, zeigt das Projekt S-Bahn Münsterland. Der NWL plant und koordiniert das Vorhaben gemeinsam mit der Stadt Münster, den vier Münsterlandkreisen Borken, Coesfeld, Steinfurt und Warendorf sowie weiteren Partnern.
Mit der S-Bahn Münsterland entstehen neue Direktverbindungen, bestehende Schienenverbindungen werden leistungsfähiger und bislang nicht angebundene Orte erhalten wieder Anschluss an das Schienennetz. Ein Beispiel ist die geplante Reaktivierung der WLE-Strecke zwischen Münster und Sendenhorst. Künftig sollen Fahrgäste aus Sendenhorst und Albersloh ohne Umstieg direkt nach Münster fahren können.
„Ein Projekt wie die S-Bahn Münsterland lässt sich nicht isoliert planen“, sagt Nils Winter, Projektleiter beim NWL. „Aufgabenträger, Kommunen, Verkehrsunternehmen und weitere Partner müssen ihre Planungen eng aufeinander abstimmen. Entscheidend ist, dass am Ende nicht nur die einzelne Bahnverbindung funktioniert, sondern die gesamte Reisekette von der Haustür bis zum Ziel.“
Mobilstationen: Knotenpunkte der Mobilität
Im Rahmen der S-Bahn Münsterland entstehen außerdem moderne Mobilstationen. Sie bündeln Bahn, Bus, Fahrrad und weitere Mobilitätsangebote an einem Ort und erleichtern den Wechsel zwischen den Verkehrsmitteln.
Je nach Standort gehören dazu beispielsweise sichere Fahrradabstellanlagen, direkte Busanschlüsse, Park-and-Ride-Plätze oder Sharing-Angebote. Welche Angebote sinnvoll sind, hängt vom jeweiligen Standort und den Wegen der Menschen vor Ort ab.
Darüber entscheiden nicht allein Fachplanerinnen und Fachplaner. Auch Bürgerinnen und Bürger, Politik, Verwaltung und weitere Akteure bringen ihre Perspektiven frühzeitig ein. So entstehen Lösungen, die unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigen und langfristig tragfähig sind.
„Ein guter Mobilitätsplan ist erst der Anfang“, sagt Ellermann vom Zukunftsnetz Mobilität NRW. „Entscheidend ist, dass aus den gemeinsam entwickelten Ideen konkrete Projekte werden. Das braucht Zeit, politische Entscheidungen und die Bereitschaft aller Beteiligten, dauerhaft an einem Strang zu ziehen.“