Veröffentlicht 26.06.2026
- Sicherheit & Qualität
Mehr Zuverlässigkeit, aber sinkende Pünktlichkeitswerte: Qualitätsbericht SPNV NRW 2025 zeigt Entwicklungen und Handlungsbedarfe auf
Der neue Qualitätsbericht SPNV NRW 2025 liegt vor. Erstmals durch das Kompetenzcenter NRW (KC ITF) komplett in digitaler Form aufbereitet, gibt der Jahresbericht transparent eine detaillierte Übersicht über aktuelle Entwicklungen rund um das Thema Nahverkehr auf der Schiene in NRW.
Die SPNV- go.Rheinland, Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) und Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) haben für das Fahrplanjahr 2025 in NRW eine Verkehrsleistung von insgesamt etwa 115,4 Millionen Zugkilometern (Zkm) bestellt. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Rückgang um 2,3 Millionen Zugkilometer. Ursachen hierfür sind unter anderem geplante Reduktionen im Rahmen des „Aktionsprogramms Personal für mehr Zuverlässigkeit im Betrieb“, umfangreiche Baumaßnahmen und Infrastrukturschäden.
Vereinzelt konnten die Fahrgäste jedoch auch von Angebotsausweitungen profitieren – etwa durch die Rückkehr zum Regelfahrplan nach Abschluss von Baumaßnahmen, Angebotsausweitungen in Schwachverkehrszeiten oder Taktverdichtungen.
Pünktlichkeit
Der Online-Qualitätsbericht bietet eine linienscharfe Auswertung zu den rund 100 SPNV-Linien in NRW (Regionalexpress, Regionalbahn, S-Bahn). Eine Detailbetrachtung zeigt ein heterogenes Bild in NRW auf.
Die SPNV-Pünktlichkeit in NRW im Jahr 2025 beträgt 71,7 Prozent über alle Produktgruppen im Durchschnitt – und ist damit gegenüber dem Vorjahr um 3,2 Prozentpunkte gefallen. Gründe sind unter anderem stark ausgelastete Strecken, überlastete Knotenpunkte, Störungen der Infrastruktur, zum Beispiel an der Leit- und Sicherungstechnik, sowie Langsamfahrstellen. Auch verspätete Fernverkehrszüge, die in der Regel gegenüber dem SPNV Vorrang haben, führten zu Verspätungen im Nahverkehr.
Hinweis: In NRW gelten SPNV-Fahrten bereits ab einer Verspätung von 4 Minuten als unpünktlich. Die Definition weicht damit von den bundesweiten Daten der DB AG ab (> 5:59 Min. gilt dort als verspätet).
Zuverlässigkeit
Die Zuverlässigkeitsquote aller erhobenen Linien liegt im Jahr 2025 im Schnitt bei 96 Prozent und steigt seit ihrem Tiefpunkt im Jahr 2023 weiter. Unter der Zuverlässigkeitsquote wird Folgendes verstanden: Zur Ermittlung der Zuverlässigkeit einer Linie werden die nicht vorhersehbaren, also spontanen Ausfälle einer Linie auf den Kilometer genau erfasst und ins Verhältnis zur geplanten Verkehrsleistung gesetzt. Diese spontanen Ausfälle entstehen meist durch Fahrzeugstörungen, Personalausfall, überraschenden Streckensperrungen o.ä..
Die geplante Reduktion des Fahrplanangebots im Rahmen des „Aktionsprogramms Personal für mehr Zuverlässigkeit im Betrieb“ hat dazu beigetragen, dass die Zuverlässigkeit für die Fahrgäste gestiegen ist. Als Resultat war das Zugfahren im vergangenen Jahr wieder planbarer, da spontan auftretende Ausfälle minimiert wurden.
Das Gesamtvolumen der ausgefallenen Zugkilometer, also inklusive der geplanten Ausfälle, ist im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen. 2025 fielen in Summe 21 Millionen Zugkilometer aus, im Jahr 2024 lag der Umfang bei 20,6 Millionen ausgefallenen Zugkilometern. Gründe dafür sind u.a. hohe Bautätigkeiten, infrastrukturelle Schäden und betriebliche Störungen.
Wichtig: Ein Großteil der Ausfälle wurde durch Ersatzverkehre (zum Beispiel mit Bussen oder anderen Zügen) aufgefangen.
Zugbildung
Zum zweiten Mal wird im landesweiten Qualitätsbericht SPNV NRW die Zugbildung aller auswertbaren Linien dargestellt und analysiert. Die Zugbildungsquote sagt aus, wie hoch der Anteil der gefahrenen Leistungen war, bei dem das Zugmaterial wie bestellt eingesetzt wurde. Vor allem in Bezug auf die bereitgestellten Kapazitäten ist dieser Wert bedeutend.
Die Zugbildung weist insgesamt ein hohes Niveau auf. Im Durchschnitt liegt die Zugbildungsquote im Jahr 2025 bei 97,7 Prozent, im Jahr 2024 waren es 97,6 Prozent – und ist somit geringfügig gestiegen.
Netzzustand
Ein Indikator für den Netzzustand sind sog. Langsamfahrstellen; sie werden aufgrund von Baustellen oder Mängeln eingerichtet. Dort fahren die Züge zum Teil deutlich langsamer als sonst im Streckenabschnitt vorgesehen.
Die Anzahl von Langsamfahrstellen infolge von Bautätigkeiten an der Infrastruktur macht im Jahr 2025 erstmals nicht den größten Anteil aller Langsamfahrstellen aus, ist im Vergleich zum Jahr 2024 aber dennoch weiter gestiegen. Auch die durchschnittliche Länge der Langsamfahrstellen, die auf Bautätigkeiten zurückgeführt werden kann, ist leicht gestiegen.
Anders als baubedingte Geschwindigkeitsreduktionen wirken sich Mängel an der Infrastruktur häufig längerfristig auf Fahrplan und Betrieb aus – zum Teil über Jahre. Es zeigt sich, dass es eine deutliche Zunahme sogenannter Brückenmängel gegeben hat, die zum Teil zu spürbaren Geschwindigkeitsreduktionen in den betroffenen Abschnitten führen.
Die Anzahl der Langsamfahrstellen, die auf signal- und sicherungstechnische Mängel zurückzuführen sind, ist 2025 wie schon im Vorjahr auf einem sehr niedrigen Niveau.
Stationen
Die drei SPNV-Aufgabenträger in NRW erfassen kontinuierlich die Stationsqualität in ihren Zuständigkeitsbereichen. Dabei werden auch Mängel an der Station und dem Umfeld dokumentiert, um diese durch den Infrastrukturbetreiber sowie weitere zuständige Akteure beheben zu lassen.
Im Gesamtergebnis hat sich die Stationsqualität im Aufgabenträgergebiet von go.Rheinland gegenüber 2024 deutlich verschlechtert. Nur noch gut die Hälfte der Stationen wurde mit den Bewertungsstufen „ausgezeichnet“ und „akzeptabel“ bewertet und hat somit ein gutes Ergebnis erzielt. Im Jahr 2024 waren es noch knapp 75 Prozent.
Im VRR-Raum zeigt sich 2025 im direkten Vergleich ein ähnliches Gesamtbild wie im Vorjahr. Gut die Hälfte der Stationen wurden mit „ausgezeichnet“ bzw. „ordentlich“ bewertet. Zum Teil deutliches Verbesserungspotenzial besteht bei insgesamt 137 Stationen (46 %), die als „entwicklungsbedürftig“ oder „nicht tolerierbar“ beurteilt werden.
Im Verbandsgebiet des NWL hat sich die Stationsqualität im Vergleich zum Vorjahr leicht verschlechtert, ist aber mit einem Gesamtanteil von 80 Prozent als „akzeptabel“ bewerteten Stationen unverändert auf einem recht hohen Niveau.
Weitere Informationen
Grundlage für die Informationen zur Betriebs- und Infrastrukturqualität sind die von den drei Aufgabenträgern go.Rheinland, NWL und VRR bereitgestellten Qualitätsdaten. Erstellt wird der jährliche Bericht vom Kompetenzcenter Integraler Taktfahrplan NRW (KC ITF).
Der Qualitätsbericht SPNV NRW 2025 liegt ausschließlich in digitaler Form vor und ist einsehbar unter: https://spnv-qualitaet.mobil.nrw
Qualitätszahlen zum 1. Quartal 2026
Neben dem Bericht sind ebenfalls landesweite Qualitätszahlen zum 1. Quartal 2026 im SPNV-Qualitätsmonitor NRW zugänglich: https://infoportal.mobil.nrw/information-service/qualitaetsmonitor-nrw.html
Hinweis: Unter anderem aufgrund der jahreszeitlichen Schwankungen sind die Daten nicht direkt mit den Jahresgesamtwerten vergleichbar.
Bildmaterial zum Download
