Veröffentlicht 17.07.2025
Leistungsstarker Schienenverkehr als gemeinsames Ziel: NWL begrüßt Kooperation von Land und DB zur Verbesserung der Bahninfrastruktur
Nicht weniger als den dringend benötigten „Schub in der Zusammenarbeit bei der Umsetzung dringender Projekte“ erwartet der Nahverkehr Westfalen-Lippe vom Kooperationsvertrag zwischen Land NRW und Deutscher Bahn. Der NWL konkretisiert zentrale Themen und dringende Maßnahmen für die Schiene in Westfalen-Lippe.
Das Land NRW und die Deutsche Bahn bekennen sich ausdrücklich zum gemeinsamen Ziel eines leistungsstarken Schienenverkehrs, um Nordrhein-Westfalen als attraktiven Lebens- und Wirtschaftsstandort nachhaltig zu stärken. Eine entsprechende Vereinbarung haben Vertreter von Landesregierung und DB am 15. Juli in Düsseldorf unterzeichnet.
„Als für den Schienennahverkehr (SPNV) begrüßen und unterstützen wir diese Kooperationsvereinbarung ausdrücklich“, betont Christiane Auffermann, Geschäftsführerin des Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL). Der NWL erwarte sich davon einen Schub in der Zusammenarbeit, insbesondere bei der Planung und Umsetzung dringlicher Projekte. „Wie in der Vereinbarung formuliert, nehmen wir die Kooperationspartner beim Wort und bieten eine frühzeitige, konstruktive Zusammenarbeit bei Vorhaben an, die auch den SPNV im Raum des NWL betreffen. Auf das Startsignal haben wir nur gewartet – es muss jetzt schnell gehen für die Sicherung des SPNV“, so Auffermann.
Der NWL geht davon aus, dass die Kooperationsvereinbarung auch folgende zentrale Themen und dringliche Maßnahmen umfasst:
Dekarbonisierung: Zeitlich weit vor einer Gesamtrealisierung des Deutschlandtakts plant der NWL, dieselbetriebene Fahrzeuge sukzessive mit umweltfreundlicheren, alternativ angetriebenen Zügen zu ersetzen. Dazu gehört der Einsatz von batterieelektrischen Fahrzeugen ( ), die wiederum eine ausreichende Bahnstromversorgung benötigen. Die dafür notwendige Infrastruktur (z.B. in Münster) muss sehr zeitnah erstellt werden, da die neuen Fahrzeuge bereits ab Ende 2029 den Betrieb aufnehmen sollen.
Engpassbeseitigung: NRW ist geprägt von zahlreichen Streckenabschnitten, die hoch ausgelastet oder sogar überlastet sind. So werden rund 10 Prozent der Zugkilometer in NRW auf „überlasteten Schienenwegen“ gefahren, was erheblichen Einfluss auf die Pünktlichkeit hat. Die DB hat zu vielen dieser Abschnitte mögliche Maßnahmen zur Engpassbeseitigung gelistet – zum Teil auch kleine Projekte mit schnellen positiven Effekten. Hier braucht es verbindliche Aussagen, wann zumindest diese Maßnahmen in Umsetzung kommen.
Robustes Netz I und II: In diesem Programm der DB in NRW sind zahlreiche Maßnahmen zur Qualitätssteigerung im landesweiten Schienennetz enthalten – beim NWL unter anderem in Gütersloh/Isselhorst-Avenwedde oder Hamm. Um weitere Verzögerungen bei den Planungen sowie Kostensteigerungen zu vermeiden, braucht es hier konkrete, verbindliche Realisierungsvorschläge der DB. Bei der Umsetzung gilt es, das vereinbarte Ziel der Planungsbeschleunigung aktiv zu leben.
Planungsbeschleunigung: Regelwerke und Richtlinien im Bahnsektor sind komplex. Daher braucht es individuelle Lösungen, um schneller in die Realisierung zu kommen. Ziel muss es sein, Kosten nicht nach oben zu treiben und Maßnahmenerfordernisse nicht aus dem Ruder laufen zu lassen. Konkret in Gütersloh: Hier sollten die Maßnahmen des Robusten Netzes umgesetzt werden, ohne zwingend die komplette Erneuerung der Oberleitungen auf einem großen Abschnitt mit realisieren zu müssen. Stattdessen können zwingend notwendigen Anpassungen ausreichend sein.
Verknüpfung mit Nichtbundeseigener Infrastruktur: Der NWL erhofft sich eine höhere Kooperationsbereitschaft der DB bei Verknüpfungen ihrer Infrastruktur mit der von Dritten. Aktuell ist dies im NWL-Raum bei der Einbindung der Strecke der Teutoburger Wald Eisenbahn (TWE) in Gütersloh entscheidend; außerdem bei Verantwortlichkeiten im Zuge von Ausbauten auf dem Haller Willem (RB 75), damit künftig Züge halbstündlich bundesländerübergreifend zwischen Bielefeld und Osnabrück fahren können. Der Pächter des Nordabschnitts – die Verkehrsgesellschaft Landkreis Osnabrück (VLO) – kann sich vorstellen, hier auch Maßnahmen der DB zu übernehmen, die dies derzeit prüft.
Sicherheit: Die DB wird sich angesichts der Vielzahl von Maßnahmen priorisieren müssen. Neben qualitativen und kapazitativen Aspekten möchte der NWL ausdrücklich daran erinnern, auch der verkehrlichen Sicherheit eine hohe Relevanz beizumessen. So gibt es weiterhin eine große Anzahl nicht technisch gesicherter Bahnübergänge, hier sticht der Warendorfer (RB 67) besonders heraus. Die Strecke zwischen Münster und Rheda-Wiedenbrück gehört zu den unfallträchtigsten in Deutschland. Jede Verzögerung birgt das Risiko weiterer, zum Teil schwerer Unfälle. Kommunen, Kreise, Anlieger und auch der NWL stehen für eine schnelle Umsetzung von Bahnübergangs-Maßnahmen bereit.
„Für den SPNV in Westfalen-Lippe ist diese Kooperationsvereinbarung ein klares Signal, dass der Infrastrukturausbau in der Fläche ebenso ernst genommen wird wie in Ballungsräumen“, sagt Kai Schulte, Leiter des Kompetenzcenters (KCITF NRW). „Das Bekenntnis zur Ausbaustrecke Münster - Lünen oder Projekten wie S-Bahn Münsterland und S-Bahn Ostwestfalen zeigen, dass Westfalen-Lippe stärker in den Fokus rückt.“