Veröffentlicht 20.02.2026
- Infrastruktur & Projekte
Gemeinsam für mehr Qualität auf der Schiene: Dialog zu regionalen Auswirkungen von Infrastrukturmaßnahmen gestartet
Bei einem gemeinsamen Termin in Bielefeld haben die IHK Ostwestfalen zu Bielefeld, der NWL (Nahverkehr Westfalen-Lippe) und das Kompetenzcenter NRW (KCITF) gemeinsam mit DB InfraGO zu Auswirkungen geplanter Infrastrukturmaßnahmen auf Schienenverbindungen der Region gesprochen. Weitere Gespräche zwischen dem NWL und IHKs im Raum Westfalen-Lippe laufen bereits.
Gemeinsam mit allen Akteuren Lösungen entwickeln, um die Planbarkeit und zügige Umsetzung von Bauvorhaben auf und an der Schiene zu koordinieren und erhalten: Dies ist das erklärte Ziel des NWL. Hierfür hat der als Organisator des Nahverkehrs auf der Schiene in Westfalen-Lippe Ende 2025 die Initiative „SPNV unter Druck“ ins Leben gerufen, die einen konstruktiven und ergebnisorientierten Austausch von Politik, Verwaltung, Wirtschaft und den verantwortlichen Infrastruktur-Akteuren anstoßen soll. Um die Bedürfnisse aller Partner und die projektbezogenen Lösungsansätze gemeinschaftlich zu entwickeln, führt der NWL Gespräche mit den IHKs im Raum Westfalen-Lippe und setzt den Dialog kontinuierlich fort. Denn die Unterstützung der IHKs als wichtige Multiplikatoren in Richtung der Unternehmen und ihrer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist hier besonders gefragt, um für Bewegung zu sorgen.
Gespräch in Bielefeld erstmals mit DB InfraGO, NWL und der IHK
Ende Januar nahm der NWL an einem Gespräch der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld teil, zu dem erstmals auch DB InfraGO als Durchführer zahlreicher Infrastrukturmaßnahmen eingeladen war. Zudem nahm der Leiter des KCITF teil, das für die Weiterentwicklung des NRW-Taktes im Schienenpersonennahverkehr zuständig und beim NWL in Bielefeld ansässig ist. „Die Unternehmen in Ostwestfalen sind auf verlässliche und planbare Schienenverbindungen angewiesen – für ihre Beschäftigten, ihre Lieferketten und ihre Wettbewerbsfähigkeit. Deshalb haben wir die zentralen Akteure frühzeitig an einen Tisch gebeten. Unser Ziel ist es, Bauvorhaben besser zu koordinieren, Zielkonflikte offen zu benennen und gemeinsam Lösungen zu finden, bevor es zu jahrelangen Verzögerungen kommt“, erklärt der Geschäftsführer Götz Dörmann der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld.
„Für den Raum Bielefeld und Ostwestfalen-Lippe konnten in diesem erfolgreichen Gespräch viele konkrete Punkte eingebracht, eingeordnet und gemeinsam diskutiert werden – mit dem klaren Ziel, Belastungen für den SPNV möglichst früh zu erkennen und zu reduzieren“, bewertet NWL-Geschäftsführerin Christiane Auffermann den Termin. „Wir nehmen diesen Auftakt als positiv wahr, denn der Dialog ist wichtig für die gemeinsame Umsetzung der Sanierung des Schienennetzes sowie der Bahnhöfe.“ DB InfraGO, NWL und KCITF NRW einigten sich auf die Fortführung des Austausches zu ausgewählten Projekten.
Worum es geht: Bauplanung auf westfälischen Strecken droht jahrelanger Verzug
Die Realisierung von wichtigen Bauprojekten an mehreren Strecken und Bahnhöfen in Ostwestfalen ist aktuell gefährdet. Die Generalsanierung von bundesweit festgelegten Schienenkorridoren wird in den kommenden Jahren von der DB priorisiert behandelt. Hierdurch entsteht unter anderem eine verkehrliche Mehrbelastung auf Umleitungsstrecken, wodurch dort Bauprojekte nicht realisiert werden können und sich somit verzögern. Dies kann zur Folge haben, dass Förderzeiträume für die Projekte entlang dieser Strecken nicht gehalten und schon geplante Gelder nicht genutzt werden können. Der Lösungsansatz: Die frühzeitige, vorausschauende Sanierung der Umleitungsstrecken inklusive der bereits geplanten Projekte. Dies schafft auch die nötigen Kapazitäten, um Fernverkehrs-, Güter- und Nahverkehrszüge im erforderlichen Rahmen abwickeln zu können.
Folgende dringlich umzusetzende Maßnahmen haben IHK und NWL unter anderem genannt:
- Ausbau des Bielefelder Hauptbahnhofs
- Einbau zusätzlicher Weichenverbindungen in Gütersloh und Isselhorst-Avenwedde
- barrierefreier Ausbau des Bahnhofs Bielefeld-Brake
- zusätzlicher Bahnsteig in Minden (Gleis 14)
- Beseitigung von Langsamfahrstellen
“Wir müssen darauf achten, dass die Großprojekte wie die Generalsanierung oder Neubaustreckendiskussion zwischen Bielefeld und Hannover nicht dazu führen, dass andere, vergleichsweise schnell umzusetzende Maßnahmen außer Acht gelassen werden. Die Reisenden erwarten baldige Verbesserungen bei der Pünktlichkeit und im Angebot – und in Ostwestfalen-Lippe liegen Lösungen auf dem Tisch, wie wir das hinbekommen können”, betont Kai Schulte, Leiter des KCITF.
Ein weiteres Problem ist die Einhaltung von gewährten Sperrpausen. Diese definieren für einen Zeitraum den Bereich, wo Bautätigkeiten im Schienennetz oder an Bahnstationen zu verkehrlichen Einschränkungen führen. Ersatzverkehre fangen die Einschränkungen dann auf. Wenn diese Sperrpausen kurzfristig verschoben werden oder gar das gesamte Bauprojekt sich verspätet, entstehen für Maßnahmen Fristverletzungen und auch hier droht ein Auslaufen von bewilligten Fördergeldern. Bei kurzfristigen Änderungen lassen sich zudem geplante und schon kommunizierte Ersatzverkehre nicht mehr ändern. Damit können die Aufgabenträger und Verkehrsunternehmen oftmals nicht mehr im Sinne der Reisenden planen und umsetzen. Die Folge sind zusätzliche Kosten und Unmut bei den Fahrgästen.
„Wir als KCITF sowie der NWL haben im Termin in Richtung DB InfraGO verstärkt darauf verwiesen, dass das Nicht-Durchführen geplanter Baumaßnahmen trotz Sperrung dringend vermieden werden muss – sowohl im Interesse der Fahrgäste als auch der Wirtschaft. Denn ein starker Wirtschaftsstandort braucht ein attraktives und verlässliches Mobilitätsangebot“, betont Kai Schulte, Leiter des KCITF.
Während die Projektlage bei allen Beteiligten des Gesprächs weitgehend bekannt ist, war es im Termin möglich, mit DB InfraGO spezifische Problematiken hervorzuheben. Zudem wird der NWL Folgetermine zu einzelnen Projekten mit den Planungsteams der Aus- und Neubaustrecken aufsetzen.
„SPNV unter Druck“ will Akteure an einen gemeinsamen Tisch holen
Hintergrund der Initiative ist, dass durch die in den kommenden Jahren geplanten Baumaßnahmen auf und an der Schieneninfrastruktur Verbindungen im Raum Westfalen-Lippe beeinträchtigen werden. Der Ansatz des NWL sieht die gemeinsame Entwicklung von Lösungen für diese Engpässe vor und fordert die frühzeitige Einbindung des NWL in die Planung, Koordination und Umsetzung von Infrastrukturmaßnahmen zur angemessenen Berücksichtigung der Belange des Nahverkehrs in Westfalen-Lippe.
Der NWL organisiert das SPNV-Angebot für rund 5,7 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern auf einer Fläche von 19.400 Quadratkilometern. Für Bau, Betrieb und Instandhaltung des Schienennetzes ist fast ausschließlich die Bahn-Tochter DB InfraGO zuständig.
Weitere Informationen und eine Registrierungsmöglichkeit für Unternehmen sowie Unterstützerinnen und Unterstützer stellt der NWL online bereit: www.nwl-info.de/spnv-unter-druck
