Veröffentlicht 20.03.2026
- Infrastruktur & Projekte
Abschlussbericht Taskforce „zuverlässige Bahn“: NWL zeigt Umsetzungsmöglichkeiten für Region Westfalen-Lippe auf
Die vom Bundesverkehrsministerium gegründete Taskforce „zuverlässige Bahn“ hat am 20.03.2026 ihre Ergebnisse in Form eines Pakets mit 22 Maßnahmen zur betrieblichen Qualitätsverbesserung des deutschen Bahnverkehrs veröffentlicht, das in den nächsten zwei Jahren umgesetzt werden soll. Als für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) in Westfalen-Lippe, einer Region mit mehreren hochbelasteten Knoten und einem weitläufigen Schienennetz im ländlichen Raum, setzt sich der NWL bereits seit Langem für eine verbesserte Abstimmung auf regionaler, Landes- und Bundesebene zur Regelung von dringend benötigten Infrastrukturertüchtigungen und einer nachhaltigen Verbesserung des SPNV-Netzes ein. Auch betriebliche Maßnahmen zur Erhöhung der Verlässlichkeit des SPNV werden vorangetrieben.
Der NWL hat die Vorschläge der Taskforce sondiert und sieht für die Region Westfalen-Lippe sowohl anwendbare Ansätze als auch die Notwendigkeit, an einigen Stellen Anpassungen vorzunehmen und weitere Gespräche zu führen. Speziell konzentriert sich der NWL auf die folgenden Ansätze:
1. Verbesserung der Pünktlichkeit und Verlässlichkeit des SPNV
Der NWL agiert bereits aktiv, um trotz hohem Baustellenaufkommen, störungsanfälliger Infrastruktur und beeinflussendem verspäteten Fernverkehr im SPNV pünktlicher und verlässlicher zu fahren.
Dazu zählt beispielsweise eine 2025 durchgeführte Offensive zur Personalgewinnung, insbesondere von Triebfahrzeugführern. Diese war Teil des landesweiten, erfolgreichen Aktionsprogramms Personal und Betrieb. Der Betrieb konnte nachhaltig stabilisiert und gemeinsam mit den (EVU) Personal gewonnen werden.
Für das Fahrplanjahr 2026 hat der NWL bereits mehrere Fahrplananpassungen durchgeführt, um den Betrieb weiter zu vereinfachen und zu stabilisieren.
Dazu zählen seit Fahrplanwechsel im Dezember 2025 folgende Maßnahmen:
- Die Linien RB 69 und RB 89, die bislang in Hamm vereinigt bzw. entkoppelt wurden, fahren nun betrieblich getrennt voneinander. Damit überträgt sich die Verspätung einer Linie nicht mehr auf die andere und das störungsanfällige Kuppeln entfällt. Erste Messungen zeigen, dass sich die Pünktlichkeit hier seitdem sehr deutlich verbessert hat.
- Die Linie RB 93 verkehrt nur noch zwischen Bad Berleburg und Siegen. Damit ist sie um den Abschnitt in Siegen – Betzdorf eingekürzt worden. Durch die Maßnahme fährt die RB 93 pünktlicher, positive Effekte werden auch beim RE 9 erwartet. Die bisherige Verbindung wird durch die RB 90 ersetzt.
Darüber hinaus hat der NWL bereits in neue, zuverlässige und spurtstarke Fahrzeuge investiert, die in den nächsten Jahren in Betrieb gehen werden. Der Einsatz von hochmodernen Fahrzeugen wird ebenfalls zur Verbesserung der Pünktlichkeit und Verlässlichkeit des Bahnverkehrs in Westfalen-Lippe beitragen. Die innovativen Batterie-Züge treiben zudem eine flächendeckende Umstellung des westfälischen Bahnnetzes von Diesel auf batterie-elektrischen Betrieb deutlich voran.
2. Schnelle Stabilisierung hochbelasteter Knoten
Die Entlastung hochbelasteter Knotenpunkte in Westfalen-Lippe, wie etwa der Hauptbahnhöfe in Hamm und Bielefeld, ist für den NWL von zentralem Interesse und geht mit der Sanierung und Weiterentwicklung der umliegenden Bahnhöfe und Strecken einher. Hier fordert der NWL deutlich mehr Tempo zur Realisierung zielgerichteter Maßnahmen. Dazu erwartet der NWL eine schnelle und zielgerichtete Bereitstellung von Geldern aus dem Sondervermögen des Bundes.
Im Rahmen der Initiative „SPNV unter Druck“ führt der NWL bereits seit 2025 verstärkt Gespräche mit Kommunen, Politik, Wirtschaft sowie DB InfraGO, um die Engpässe, Verspätungen und Probleme durch Baustellenplanung und -durchführung im Schienenbereich aufzuzeigen und Lösungsansätze gemeinsam zu erarbeiten.
Die von der Taskforce angekündigten „Knoten-Workshops“ zur dedizierten Überprüfung einzelner hochbelasteter Knoten sowie die bereits stattfindenden Bauinformationsdialoge wirken auf genau dieses Ziel hin. Der NWL wird seine bereits geäußerten Forderungen und Lösungsvorschläge hier einbringen und den laufenden Austausch fortsetzen.
Der NWL bekräftigt zudem die Forderungen der Verkehrs- und Bahnverbände, dass die Pläne zur Erhöhung der Schienenwegekapazität (PEK) und weitere identifizierte Maßnahmen schneller umgesetzt werden müssen. Konkret geht es bei den Maßnahmen oftmals um zusätzliche Überholgleise, Weichen oder Bahnsteige, um Züge flexibler zu disponieren und Rückstau zu vermeiden, in manchen Fällen auch um größere Vorhaben, wie die vollständige Erneuerung alter Stellwerkstechnik. Der NWL fordert, dass die PEK verbindlicher werden müssen, damit sie nicht reine Schubladenplanungen bleiben.
Aus Sicht des NWL gibt es für die Region Westfalen-Lippe ergänzend konkrete Maßnahmen, die hochbelastete Knoten schnell entlasten würden, zum Beispiel:
- Zur störungsfreien Ein- und Ausfahrt im westlichen Bereich des Hauptbahnhofs Hamm: Die Umfahrung der Engstelle “Doppelkreuzweiche” in Hamm, die auch im Programm Robustes Netz NRW genannt wird.
- Zur Flexibilitätssteigerung im Bahnhof Minden: Der Bau eines zusätzlichen Bahnsteigs. Diese Maßnahme ist bereits im PEK Minden-Wustorf benannt.
- Zur störungsfreien Ein- und Ausfahrt aus dem Lipperland am Hauptbahnhof Bielefeld: Neubau einer zusätzlichen Bahnsteigkante, die unabhängig von den Hauptgleisen der Achse Richtung Minden genutzt werden kann. Bislang gibt es nur eine Bahnsteigkante (Gleis 1), sodass es starke Abhängigkeiten der Linien RB 73 und RE 82 gibt, die für zahlreiche Verspätungen verantwortlich sind.
Der NWL bestärkt die Aussage der Taskforce, dass das Streichen von Zugfahrten zur pünktlicheren Durchführung der restlichen Verkehre und Entlastung der Knoten nicht umsetzungsfähig ist. Es würden schnell kritische Angebotslücken entstehen, da der Takt vor allem in ländlichen Räumen nicht dicht genug ist. Für den NWL sind Streichungen von Zugfahrten daher stets einzelfallbezogen und äußerst sorgsam zu prüfen und nicht flächendeckend auf alle Relationen und Knoten anzuwenden.
3. Vordringliche Realisierung von Engpassbeseitigungen durch DB InfraGO
Der NWL setzt sich weiterhin intensiv dafür ein, dass DB InfraGo infrastrukturelle Maßnahmen zur Engpassbeseitigung vordringlich realisiert. Dazu steht der NWL mit dem Infrastruktureigentümer in regelmäßigem Kontakt.
Während viele Projekte in planerischer Vorbereitung sind, sind eine Reihe von Vorhaben aufgrund von fehlenden oder verspäteten Genehmigungen von Sperrpausen für den Bau oder durch schwer nachvollziehbare, immense Kostensteigerungen gefährdet. Auf diese Herausforderungen macht der NWL mit seiner Initiative „SPNV unter Druck“ seit einigen Monaten aufmerksam.
4. Enge Abstimmung zum Umgang mit verspätetem Fernverkehr
Da die Beeinträchtigungen durch verspätete Fernverkehrszüge in NRW sehr massiv sind, unterstützt der NWL ausdrücklich die Initiative, zumindest zugbezogen die Dispositionsregeln anzupassen, um nicht pauschal jedem Fernverkehrszug Vorrang vor dem Nahverkehrszug zu gewähren. Endet ein stark verspäteter Fernverkehrszug zum Beispiel in NRW, darf es nicht sein, dass pünktliche SPNV-Züge an die Seite fahren müssen und sich somit selbst verspäten. Hier ist eine enge Abstimmung mit dem Fernverkehr und der DB dringend erforderlich.
5. Koordinierung des Baugeschehens und schnelle Störungsbeseitigung
Im Bereich der Reisendeninformation hat das Land NRW eine gute Basisarbeit geleistet, die heute bereits angewendet wird: Reisende in NRW finden landesweit vereinheitlichte Kommunikationselemente zu Baustellen und SEV-Verkehren, Reisendenlenker sowie mobile Haltestellen für Ersatzverkehre. Auf der Seite zuginfo.nrw finden sich aktuelle Informationen zu Beeinträchtigungen, Störungen und Baustellen. Die Entwicklung dieser Kommunikationselemente wurde durch eine Projektstelle beim im NWL verankerten Kompetenzcenter NRW (KCITF) koordiniert.
Grundsätzlich begrüßt der NWL die Bestrebung, den Herausforderungen und Problemen im Schienenverkehr mehr Gewichtung zu geben und die Aufgaben aktiv anzugehen. Der NWL wird die Interessen der Region Westfalen-Lippe in den kommenden Gesprächen weiterhin vertreten und die vorgeschlagenen Ansätze hinsichtlich Machbarkeit und Anwendbarkeit auf den Schienenpersonennahverkehr in seiner Region prüfen.