FAQ

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FAQ

Coronavirus: FAQ zum Nahverkehr im NWL

Hier finden Sie die wichtigsten Antworten zur aktuellen Situation im Nahverkehr.

 

Informationen für Fahrgäste

Für den Raum Westfalen-Lippe gilt seit dem 4. Mai 2020 wieder das reguläre Fahrplanangebot. Das Angebot auf den Linien von S-Bahn, Regionalbahn und Regionalexpress ist im NWL auf durchschnittlich 98 % des regulären Fahrplans ausgedehnt. Einschränkungen gibt es noch bei Spät- und Freizeitverkehren.

Den Fahrgästen wird empfohlen, vor Fahrtantritt zu prüfen (z. B. unter www.mobil.nrw oder den Online-Angeboten der Verkehrsunternehmen), ob die gewünschte Fahrt in der planmäßigen Fahrlage erfolgt oder Einschränkungen vorliegen.

Um das Corona-Virus weiterhin erfolgreich zu bekämpfen, appellieren alle Beteiligten, auch weiterhin die Hygieneregeln einzuhalten.

Freizeit- und Spätverkehre gibt es weiterhin nur eingeschränkt.

Ja. Zum Schutz jedes Einzelnen müssen Fahrgäste in Bus und Bahn einen Mund-Nasen-Schutz tragen, wie es die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts für die Öffentlichkeit insgesamt vorsehen. Die rechtliche Grundlage des verpflichtenden Tragens eines Mund-Nasen-Schutzes bildet das Infektionsschutzgesetz (§28). Jeder Schutz, der aufgrund seiner Beschaffenheit geeignet ist, eine Ausbreitung von übertragungsfähigen Tröpfchenpartikeln durch Husten, Niesen oder Aussprache zu verringern, kann eingesetzt werden. Dazu zählt auch der Schutz aus Baumwolle, selbstgeschneiderten Masken, Schals, Tücher, Buffs etc. Die Verpflichtung gilt auch an Haltestellen, Haltepunkten und Bahnhöfen.

 

Sie schützen sich am Besten, wenn Sie die wichtigsten Hygienetipps möglichst konsequent beachten. So können Sie sich und andere Fahrgäste vor einer Infektion schützen:

  • Halten Sie Abstand zu anderen Fahrgästen und Mitarbeitern.
  • Halten Sie insbesondere beim Husten und Niesen Abstand zu anderen.
  • Husten und niesen Sie in die Armbeuge oder ein Papiertaschentuch.
  • Waschen Sie häufig und gründlich Ihre Hände mit Seife.
  • Halten Sie Ihre Hände von Ihrem Gesicht fern.
  • Tragen Sie einen Mund-und-Nasen-Schutz.

Tickets können im Vorverkauf in Verkaufsstellen, an Fahrkartenautomaten, über PIA und per App erworben werden.

In NRW gibt es die Mobilitätsgarantie. Das bedeutet: Wenn sich Bus oder Bahn um 20 Minuten oder mehr an der Abfahrtshaltestelle (nach aktuell gültigem Fahrplan) verspätet, kann alternativ mit einem Fernverkehrszug (ICE/IC/EC) oder dem Taxi gefahren werden. Die Kosten werden bei Nutzung des Fernverkehrs komplett, beim Taxi tagsüber bis zu 25 € pro Person und in den Abend-/Nachstunden (20h – 5h) bis zu 50 € erstattet. Die Mobilitätsgarantie gilt auch bei Baumaßnahmen. Hier gilt die Abfahrtszeit des Ersatz- bzw. Baustellenfahrplans. Hier geht’s zur Mobilitätsgarantie.

Informieren Sie sich gerne auf den Websites der lokalen Verkehrsunternehmen. Dort finden Sie, welche Coronavirus-Maßnahmen ergriffen wurden und erhalten Informationen zum Fahrplanangebot in Ihrer Stadt. Eine Aufstellung der Verkehrsunternehmen mit Verlinkung zu den Websites finden Sie hier.

Die Desinfizierung und Reinigung der Bahnen werden nach den Regeln des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen umgesetzt, um das Infektionsrisiko im Nahverkehr so gering wie möglich zu halten. Bahnen werden jeden Tag gereinigt. Bestimmte Berührflächen (z. B. Haltestangen) werden mit Reinigungsmitteln gesäubert. Zusätzlich findet in regelmäßigen Abständen eine vollflächige Reinigung der Fahrzeuge statt. Die Reinigungsmittel haben eine keimreduzierende Wirkung und setzen auch Viren zu. Selbst wenn einzelne Viren auf Oberflächen längere Zeit überleben sollten, ist die so genannte Viruslast in der Regel so gering, dass eine Infektion über diesen Weg sehr unwahrscheinlich ist. Bitte beachten Sie, dass Ihre persönliche Handhygiene die wichtigste Präventionsmaßnahme bleibt.

Informationen für Politik, Meinungsbildner und Fachöffentlichkeit

Durch die Kontaktverbote und die Einschränkungen des öffentlichen Lebens im Zusammenhang mit der Eindämmung der Infektionsraten durch den Corona-Virus ist auch die Nachfrage nach Nahverkehrsleistungen stark eingebrochen. Die Verkehrsunternehmen haben massive Fahrgastverluste zu verzeichnen. Der NWL hat bei den SPNV-Unternehmen in Westfalen-Lippe einen deutlichen Rückgang der Fahrgastzahlen beobachtet. So ist beispielweise insgesamt die Mobilität an Ostern 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 31 Prozent zurückgegangen. Die Pendelbewegungen zwischen den Oberzentren im NWL (Bielefeld, Hamm, Münster, Paderborn, Siegen) und dem Rest Deutschlands sind in den Monaten März und April insgesamt um fast 50 Prozent zurückgegangen.

Die Nahverkehrsbranche steckt damit in einem Dilemma: zwar ist es wünschenswert, dass wenige Menschen unterwegs sind und Abstandsregeln eingehalten werden können, um die Verbreitung des Corona-Virus zumindest zu verlangsamen. Andererseits brechen seit Beginn der Krise die Fahrgeldeinnahmen bei den Nahverkehrsunternehmen in einem so großen Maße weg, dass ernste wirtschaftliche Schäden zu befürchten sind. In Westfalen-Lippe werden große Anteile der SPNV-Leistungen in sog. Bruttoverkehrsverträgen erbracht, so dass die Einnahmeverantwortung beim Aufgabenträger NWL liegt. Diese Einnahmen bilden eine wichtige Säule für die Finanzierung des Fahrplanangebotes. Zwar kann vor allem durch die kostenfreie Stornierung von nicht genutzten Trassen und Stationen eine gewisse Einsparung im System erfolgen, die Mehraufwände für die Sicherung des Bestandsangebotes durch Einnahmeverluste sind jedoch deutlich umfangreicher. Hochrechnungen des NWL gehen für das Jahr 2020 im SPNV in Westfalen-Lippe von Verlusten  in einem hohen 2-stelligen Mio.-Betrag aus und dies, sofern sich die Nachfrage in diesem Jahr wieder normalisiert. Dem Öffentlichen Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen (NRW) drohen allein in diesem Jahr dramatische Einnahmeverluste in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro. Und die weitere Entwicklung bleibtt hoch voraussetzungsvoll. Eine Prognose des Nutzerverhaltens in Bezug auf Mobilität im Allgemeinen und Verkehrsmittelwahl im Speziellen ist aktuell nicht möglich.

Mit jedem Tag werden die wirtschaftlichen Folgen für die Nahverkehrsbranche dramatischer. Dies ist auch deshalb ein unhaltbarer Zustand, weil der Nahverkehr gerade noch als Motor der Verkehrswende die entscheidende Rolle für eine nachhaltige Alltagsmobilität gespielt hatte. Die Aussichten waren vor der Corona-Krise gut, dass die Politik die Notwendigkeit von erheblicher Anhebung der dafür notwendigen Finanzmittel erkennt. Ob dies auch nach den gigantischen Rettungsschirmen auf Landes- und Bundesebene noch der Fall sein wird, bleibt abzuwarten. Dringend notwendig sind aber bereits heute Lösungen für die Probleme durch ausfallende Fahrgeldeinnahmen. Der Ausgleich dieser existenzbedrohenden Verluste muss durch die Politik unbedingt kurzfristig geklärt werden, damit auch nach der Pandemie noch ein leistungsfähiger Nahverkehr vorhanden ist.

 

 

In einem 1. Schritt richteten daher am 14.04.2020 die Spitzenverbände der Branche (VDV, BAG SPNV, mofair, bdo) ein Schreiben an den Bundesverkehrsminister und die Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz, um auf die prekäre Situation hinzuweisen und um Unterstützung bei der Stabilisierung des ÖPNV in NRW in der Corona-Pandemie einzufordern. Zugleich wurden die Bundestagsabgeordneten aus NRW von den Verkehrsverbünden, Tarifgemeinschaften und Aufgabenträgern des Landes angeschrieben und ebenfalls um Unterstützung gebeten.

 

 

Die Bundesregierung hat am späten Abend des 03.06.2020 beschlossen, sich mit insgesamt 2,5 Milliarden Euro an einem ÖPNV-Rettungsschirm zu beteiligen. Offen ist derzeit noch, wie die Verteilung dieser Mittel auf die Bundesländer erfolgen wird. Da dieser „Rettungsschirm“ für die gesamte Nahverkehrsbranche in Deutschland gedacht ist, ist auch die Aufteilung auf den kommunalen ÖPNV und den SPNV noch offen. Der NWL begrüßt grundsätzlich diese Entscheidung, weist aber auch darauf hin, dass diese Mittel allein die derzeit eingetretenen Verluste bei den Fahrgeldeinnahmen seit Beginn der Corona-Krise kompensieren. Weitere Verluste sowie strukturelle Nachteile z. B. durch Imageschäden sind damit nicht abgedeckt.

 

 

Am 12.6.2020 haben NVR, VRR und NWL eine gemeinsame Resolution an Ministerpräsident Laschet verabschiedet, in der die politischen Gremien der drei nordrhein-westfälischen Aufgabenträger das Land NRW um die Bildung eines Rettungsschirms für ÖPNV und SPNV bitten. Denn ohne die dringend benötigte finanzielle Unterstützung von Bund und Land drohen Leistungsreduzierungen im Bus-, Bahn- und Schienennetz. Die Resolution wurde von allen Verbandsvorstehern und Fraktionsvorsitzenden der drei Aufgabenträger in Vertretung für die gesamte Verbandspolitik unterschrieben. Es geht um die nachhaltige finanzielle Absicherung, um das funktionierende und bis zum Beginn der Krise mit stetig wachsenden Fahrgastzahlen erfolgreiche Nahverkehrssystem aufrechterhalten zu können. Der Nahverkehr ist nicht nur ein Beförderungsmittel, sondern ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und eine Antwort auf den Klimawandel.

 

 

Das NRW-Landeskabinett hat am Abend des 23.06.2020 beschlossen, gemeinsam mit dem Bund die pandemiebedingte Kostenunterdeckung im ÖPNV – vorbehaltlich einer noch ausstehenden Notifizierung durch die EU – auszugleichen. Aus den vom Bund angekündigten Regionalisierungsmitteln wird das Land voraussichtlich rund 500 Mio. Euro erhalten. Darüber hinaus stellt das Land in einer ersten Tranche weitere 200 Mio. Euro Landesmittel zur Verfügung. Eine ggf. nach Ausschüttung dieser 700 Mio. Euro verbleibende Kostenunterdeckung wird die Landesregierung im Rahmen einer Spitzabrechnung bis Ende 2020 zur Verfügung stellen. Es ist daher vorgesehen, die Erstattung der Fahrgeldausfälle im ÖPNV im Herbst dieses Jahres vor dem Hintergrund der dann eingetretenen Entwicklung nochmals zu prüfen.

 

Wie sich Corona langfristig auf das Mobilitätsverhalten auswirkt, ist noch nicht absehbar. Die Fahrgäste kehren zwar langsam zurück, aber zum einen langsam, und zum anderen werden sie nicht vollständig zurückkehren. Viele Arbeitnehmer und Arbeitgeber haben in den letzten drei Monaten die Vorzüge von Home Office und Videokonferenzen kennengelernt. Natürlich wird es wieder verstärkt Präsenzveranstaltungen geben und die Menschen werden zum Arbeiten auch wieder ins Büro fahren. Aber nicht alle und nicht jeden Tag. Der ökologischste Verkehr ist der, der gar nicht erst stattfindet. Neben Verkehrsverlagerung steht Verkehrsvermeidung ganz oben auf der Nachhaltigkeitsagenda des NWL. Und auch die neuen Fahrradfahrer sollen beim Fahrrad bleiben. Zu unseren Zielen gehört, den Modal Split im Sinne des Klimaschutzes zu verändern. Es gilt, die Fahrgäste, die ins Auto gewechselt sind, weil sie sich im ÖV nicht mehr sicher fühlen, zurück in die Züge und das gesamte öffentliche Verkehrssystem zu holen. Es ist keine Infektionskette bekannt, die ihren Ausgangspunkt im ÖV hatte.

Der Klimawandel ist nach wie vor ein elementares Thema, zu dem die Veränderung von Verkehr einen immensen Beitrag leisten kann. Daher bleibt das große Ziel des NWL die Mitgestaltung der ökologischen Verkehrswende - unter erschwerten und veränderten Bedingungen.